Verhuellte Gorch Fock an der Kieler Foerde

Spaziergängern an der Kieler Förde bietet sich derzeit ein ungewohnter Anblick. Was hat es mit der Verkleidung des Segelschulschiffs “Gorch Fock” auf sich, die an die Verhüllung des Berliner Reichstags durch den Künstler Christo im Jahr 1995 erinnert?

Gorch Fock
Auf der Gorch Fock wurde ein Gerüst aufgebaut, um Arbeiten am Mast zu tätigen. Foto: PIZ Marine, Thomas Lerdo

Nach der Rückkehr von ihrer 153. Ausbildungsreise wurden Unregelmäßigkeiten in der elektrischen Anlage des Schiffes festgestellt. Die beauftragte Fachfirma stellte fest: stark korrodierte Leitungen waren die Ursache. Lösung: die fast 50 Jahre alten Leitungen und die dafür notwendigen Befestigungen im Hauptmast müssen erneuert werden. Die Gerüstbaufirma versah den Hauptmast auf einer Höhe von fast 40 Metern dazu mit einem Gerüst. Diese komplette Verkleidung mit einer Schutzfolie ist notwendig, um alle Sicherheits- und Umweltschutzrichtlinien zu erfüllen. So können beim Arbeiten keine Materialien oder Werkzeuge aufs Deck oder in das Hafenbecken fallen. Die Instandsetzung wird voraussichtlich bis Anfang August andauern. Die notwendigen Arbeiten wurden extra auf die Zeit nach der Kieler Woche gelegt, da sich in diesem Zeitraum der Großteil der Stammbesatzung im Urlaub befindet.

Gorch Fock Hanse Sail
Gorch Fock auf der Hanse Sail – Foto: Archiv Hanse Sail Rostock

In vertrauter Weise präsentiert sich die “Gorch Fock” dann wieder während der Hanse Sail in Rostock ab 6. August und für die ab Ende August geplante Herbstreise mit den neuen Marineoffizieranwärtern. Am 6. August 2009 wird der neue Schirmherr des großen maritimen Festes, der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering, die 19. Auflage der Hanse Sail eröffnen. Über eine Million Besucher werden an vier intensiven Tagen erneut das lebensfrohe Volksfest zwischen dem Stadthafen Rostock und dem Revier vor Warnemünde genießen. Zu den “Großen” zählt auch in diesem Jahr wieder die Gorch Fock, das Segelschulschiff der Deutschen Marine, die seit 1991 eng mit der Hanse Sail verbunden ist.

Gorch Fock zurueck in Wilhelmshaven

Das Segelschulschiff “Gorch Fock” ist wieder im Marinestützpunkt bei Wilhelmshaven angekommen. Dort beginnen heute die Untersuchungen zum tragischen Vorfall von der Nacht auf Donnerstag

Gorch Fock in Wilhelmshaven
Gorch Fock in Wilhelmshaven - Foto: Deutsche Marine

Seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wird ein Besatzungsmitglied des Segelschulschiffs “Gorch Fock” vermisst. Das 18-jährige Crewmitglied ist Offizieranwärter und ging gegen Mitternacht während der Seewache bei zwei Meter Wellenhöhe, aber bei ruhiger und stabiler Schiffslage auf Ostkurs, über Bord. Die Wassertemperatur betrug 17 Grad. Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Deutschen Bucht, zehn Seemeilen – circa 20 Kilometer – nördlich der Nordseeinsel Norderney. Dabei herrschte südwestlicher Wind der Stärke sieben, das entspricht etwa 60 Stundenkilometern. Von der Besatzung wurden sofort umfassende Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Darüber hinaus startete unmittelbar nach dem Zwischenfall eine groß angelegte Seenotrettungsaktion. An der Suchmaßnahme beteiligen sich Einheiten der Deutschen Marine, der Bundespolizei, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sowie zivile Schiffe. Darüber hinaus sind Hubschrauber der Bundeswehr, der Bundespolizei und der Polizei Niedersachsens sowie ein Seefernaufklärer der Marine im Einsatz. Die Suchmaßnahmen dauern gegenwärtig an. Nähere Umstände sind zur Zeit noch nicht bekannt. Die Angehörigen in Nordrhein-Westfalen wurden informiert.

Gorch Fock
Gorch Fock - Foto: Deutsche Marine

Die “Gorch Fock” befindet sich seit dem 28. August auf einer Ausbildungsreise von Kiel nach Hamburg. Das Einlaufen war dort für Freitag vorgesehen. In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung wird der Besuch in Hamburg abgesagt. Aus kameradschaftlicher Rücksichtnahme hat die Marine zudem den für den kommenden Samstag, 6. September, geplanten Marineball in Flensburg ebenfalls abgesagt. An Bord des Schiffes befinden sich 107 Offizieranwärter des Jahrgangs 2008, darunter 24 Frauen. Zur Stammbesatzung gehören darüber hinaus 100 weitere Soldaten. In den zurückliegenden 50 Jahren erhielten rund 14.000  Offizier- und Unteroffizieranwärter ihre seemännische Grundausbildung auf der “Gorch Fock”.

Die Angehörigen der vermissten Offizieranwärterin der “Gorch Fock” bitten die Medien um Abstand. Offensichtlich haben Journalisten den Namen und den Wohnort in Erfahrung bringen können und versuchen nun, Kontakt zu den Angehörigen in Nordrhein-Westfalen (Kreis Heinsberg) aufzunehmen. Mit Blick auf die schwierige persönliche Situation bittet die Familie auf diesem Wege sehr nachdrücklich alle Medienvertreter, von Anfragen jeglicher Art Abstand zu nehmen. Unabhängig davon wird die Deutsche Marine nach wie vor keine persönlichen Daten der Familie herausgeben.